Samstag, 9. März 2019

Eigene Tomaten - Anzucht und Sorten


Eigene Tomaten - Anzucht 

Seit mehr als 20 Jahren baue ich jedes Jahr Tomaten an.
Wenn ich viel Zeit habe, alle 35 Stück, manchmal kaufe ich aber zu - so wie dieses Jahr.
Dafür gibt es im Internet sehr gute Bio-Demeter-Gärtnereien, die versenden.


Standard-Tomaten-Sorten sind bei mir
Ruthje  - kleine Salat-Tomaten, sehr lecker und gesund (mind. 10 Stk.)
Black Cherry - die Lieblingstomate bei vielen Kindern - Cocktailtomate
Russische Schwarze - gesunde Fleischtomate
Berner Rose - leckere, gesunde Fleischtomate 

Dieses Jahr kommt neu dazu:
Buratino - auf Empfehlung von Lisl

Saatgut für Tomaten

kaufe ich im Internet von Demeter-Gärtnereien oder versuche Saatgut mit anderen Gartenfreunden einzutauschen. 
Ich vermehre meine Lieblingstomaten mittlerweile selbst. Dazu muss man verhindern, dass die Tomaten sich kreuzen. 



Eigenes Saatgut von Lieblingssorten

Ich stelle jedes Jahr 1 Sorte während der Blüte in einen extra Raum bis die ersten Blüten bestäubt sind und ganz kleine Tomaten dran hängen. Danach werden sie gekennzeichnet - ein Band um den Tomatenstiel der Mini-Tomate und den Namen in den Topf. Danach stelle ich sie wieder zu den anderen.
Wenn die Tomaten dann sehr reif sind, nehme ich davon das Saatgut für die nächsten Jahre.
Man kann auch per Hand bestäuben und mit einem Beutel verhüten. Das ist mir persönlich zu aufwändig, da ich ja nicht so viele Sorten gleichzeitig für Saatgut brauche. Das Saatgut hält Jahre, so dass ich maximal 2 Sorten pro Jahr vermehren muss.


Saatzeitpunkt der Tomaten

eine Aussaat ist bereits ab Anfang Januar möglich - aber nur mit einem beheizten Gewächshaus, Wintergarten und Zusatzlicht.
Das habe ich auch schon gemacht und dann Anfang Mai geerntet. Das ist witzig, war aber viel Arbeit. Immer in die Sonne tragen, beleuchten etc.
Normal säe ich Anfang bis Mitte März und habe dann Mitte Mai schöne, kräftige Jungpflanzen.



Aussäen in Anzuchtschale im Zimmer:


Material:
Standard-Anzuchtschale mit Deckel
vorgewärmte Bio-Anzuchterde
Saatgut

... und so gehts:
Erde in die Schalen der Anzuchtgefäße bis knapp unter den Rand einbringen, ein wenig mit dem Daumen sanft andrücken und mit dem Zeigefinger eine Kuhle in die Mitte für den Samen drücken.
In diese Kuhle dann jeweils 1 Samen.
Bei mir gehen fast immer alle Samen auf. Damit ich aber ganz sicher meine 35 Pflanzen am Ende erhalte säe ich ca. 40 Samen aus.

Ich bedecke die Samen nur sehr wenig mit Erde und gieße vorsichtig an.
Die Anzuchtschale bekommt eine Abdeckung, damit Luft und Erde feucht bleiben. Ich lasse sie nur so lange drauf, bis die Sämlinge aus der Erde schauen. 
Ab da fange ich schon mit dem Abhärten an und lasse die Anzuchtschale ohne Abdeckung am hellen Süd-Fenster stehen. In meinem Fall im Büro. Da habe ich sie auch immer gut im Auge. 
Von unten muß die Schale warm gehalten werden - entweder mit genügend Abstand über der Heizung (zu warm ist ja auch wieder nicht gut) oder eine Styroporplatte auf das Fensterbrett legen und da dann die Anzuchtschale drauf. Auch der Raum sollte ziemlich gleichmäßig warm sein. 
Deshalb ist mein Büro so perfekt - es hat fast immer ca. 21 °C Raumtemperatur. Die Anzuchtgefäße stehen ca. 30 cm über der Heizung.

Eine einfache Pflanzenlampe verlängert die Beleuchtung für ein paar Stunden morgens und abends. So werden sie schön kompakt:
Wenn die ersten richtigen Blätter erscheinen (s. bild oben, da fängt es gerade an) ist Zeit zum 


Tomaten pikieren

Dazu verwende ich kleine, höhere Töpfchen oder kleine Joghurtbecher. Ich nehme die Sämlinge vorsichtig beim Schopf, heble sie mit einem Teelöffel aus der Erde und versenke sie bis zum Hals in den neuen Topf. Dann fülle ich sehr vorsichtig mit Erde auf, drücke etwas fest und gieße mit warmem Wasser an.
So können sich am langen Stängel neue Wurzeln bilden und die Sämlinge wachsen zügig weiter.
Auch sie stehen dann noch bei mir im Büro am Südfenster.
Hier ein Bild vom letzten Jahr:
Bei schönen Wetter und Temperaturen über 15°C stelle ich sie auch schon mal für kurze Zeit an einen sehr geschützten, windstillen Platz ins Freie. 
Gelegentlich über die Köpfe streicheln erhöht die Festigkeit der Pflanzen.
Wenn die Jungpflanzen dann etwas höher sind wie auf dem vorigen Bild ganz links pikiere ich noch einmal in große Joghurtbecher.
Die Jungpflanzen stelle ich dann so oft wie möglich ins Freie zum Abhärten.
Ab Mitte Mai pflanze ich dann in große Töpfe, die ich an eine vor Regen geschützte Wand stelle oder in extra überdachte Tomatenhäuser.
Im Gewächshaus haben sie sich bei mir nicht so wohl gefühlt.


Düngen von Tomaten

ich dünge erst, wenn die Pflanzen ca. 5 Blätter haben. 
Auch dann nur mit der 1/2 empfohlenen Menge. 
Ich benutze flüssigen Bio-Dünger.



Nachtrag:  
sollte Blütenendfäule auftreten empfehle ich flüssigen Wuxal Calciumdünger. 
Hat bei mir umgehend geholfen. 


Gießen von Tomaten

ich gieße immer mit warmem, abgestandenen Wasser und lasse die Erde zwischendurch fast trocken werden. 
Da ist ein bisserl Fingerspitzengefühl gefragt, denn sie sollen natürlich nicht die Blätter zu sehr hängen lassen. Aber immer nasse Füße tut auch nicht gut.






Tip: Saatgut bewahre ich im Gefrierfach auf - dann bleibt es sehr lange keimfähig





Viel Spaß beim Säen und viel Freude an den Tomaten wünscht Euch 

Renate Waas 
vom Geniesser-Garten














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Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Liebe Renate
Danke für deine bebilderte und genaue Anleitung! (z.B: warme Erde, warmes Wasser)
Du machst mir Mut, mich in diesem Jahr an die eigene Anzucht zu wagen. Bis jetzt habe ich mich nur an Erbsen, Bohnen und Kürbisse gewagt.
Ab wann müssen die Pflanzen ausgegeizt werden? Eine Freundin von mir hatte im letzten Jahr eine über 2 Meter lange Cherry-Tomatenpflanze an der warmen Holzhauswand stehen, ohne düngen oder sonstige Pflege. Bei mir will es mit den Tomaten so gar nicht klappen...da bin ich gespannt wie es diesen Sommer wird! Hast du eine Adresse für gute Samen, evt. auch Blumensamen? Herzlichen Dank!
PS: Nach einem Bericht von dir über die winterharten Alpenveilchen habe ich mir auch welche gekauft. Inzwischen blühen ein paar weisse in meinem Garten.
Danke dir, für die vielen wunderbaren Tipps und auch Pflanzenbeschreibungen!

Eine schöne Frühlingszeit und herzliche Grüsse, Manuela

Elke Schwarzer hat gesagt…

Hallo Renate,
ich habe auch schon ausgesät. Von den Fleischtomaten, wie Berner Rose, bin ich aber abgekommen. Die sind zwar wirklich richtig lecker, aber man erhält nur 2 große Früchte bei Kübelkultur, und wenn man Glück hat noch ein paar mickrige. Bei den Cocktailtomaten erntet man am Ende mehr.
VG
Elke

Ein Garten in der Steiermark hat gesagt…

Danke für die tollen Tipps. Wir haben heuer auch Tomaten ausgesät, weil wir ein Gemüsebeet anlegen werden. Da kommen Deine Tipps wie gerufen...

Margit hat gesagt…

Das ist ja eine Wissenschaft für sich! Im Garten hatte ich kein Glück mit dem Anbau von Tomaten. Am Haus ist es auch blöd, weil wir nur einen sehr kleinen Unterstand haben.
Viele Grüße von Margit

Achim Wenk hat gesagt…

Hallo Renate,
schöne Anleitung und gut erklärt. Wichtig finde ich beim Samen selber abnehmen, das was du beschreibst. Man muß unbeding drauf achten,dass sie sich nicht untereinander kreuzen. Sonst hat man am Ende egene Sorten. Vielleicht auch nicht so schlecht? Jedenfalls habe ich das mit dem Paprika erlebt. Am Ende sahen alle "Sorten" irgendwie gleich aus und ganz extrem, die sonst winzigen Mini-Wildchili wuchsen zu Pflanzen mit über einen Meter höhe und hatten die gleiche Anzahl (rauhe Mengen) Schoten, wie die Wildchili. Nur eben vieeeeeeeel größer. Zeigefingerlang und dick und nicht mehr daumennagellänge. Und das, wo wir überhaupt nichts scharfes Essen. Die Wildchillies habe ich immer nur zu Dekozwecken angebaut. Jetzt kaufe ich mir wieder die Samen und probiere dabei gleich neue Sorten aus, Samenechte (aus Prinzip) und bei bio-demeter-Lieferanten (sicher die gleichen, wie bei dir). Mit den Tomatenhabe ich noch glück, die stehen auch alle irgendwie in der Nähe, aber die einzelnen Sorten, die ich seit Jahren habe, haben noch unterschiedliche Eigenschafte und das Aussehen und Charakter der damals gekauften Sorte. Aber ich habe da auch, nach dem Paprikafiasko, überlegt, ob ich vielelicht die ersten Blüten mit einem Nylonstrumpf-Stückchen schützen sollte, damit ich weiter sicher die ursprünglichen Sorten habe.
Dann wünsche ich mal weiter viel Spass mit den Tomaten, gute Ernte und ein schönes Gartenjahr, der Achim