Mittwoch, 23. Januar 2019

Fruchtfolge - Anbaupause Gemuesebeet - Januar im Nutz- und Gemüsegarten


Gartentips Gemüsegarten: Fruchtfolge, 4-Felder-Wirtschaft, Mischkultur und Anbaupause 


Gedanken zu Fruchtwechsel, Anbaupausen, Pflanzenfamilien, 4-Felder-Wirtschaft und Mischkultur.



Die Praxis der 4-Felder-Wirtschaft gibt es schon sehr, sehr lange und sie ist noch immer sehr erfolgreich. 
Mischkultur ist eine gute Sache - wenn man richtig viel Ahnung oder einen richtig großen Garten hat. Ich finde es für mich und unseren eher kleinen Gemüsegarten zu kompliziert.

Wir haben 4 Beete für die Fruchtfolge, 2 Hochbeete und 2 Frühbeete. 
Dazu die geschützten Flächen für Tomaten und 1 kaltes Gewächshaus.



Gesunder Boden - gesunde Pflanzen

Mit gesunder, fruchtbarer Erde gibt es auch gesundes Gemüse und gute Ernte.
Wie hält man nun den Garten am Besten gesund, frei von Schädlingen und zu viel Konkurrenz um die Ernte? Noch dazu biologisch?
Es geht meiner Meinung nach nur biologisch und mit der Natur.

Humus
Guter Boden braucht Humus - Humus gibt es über organische Masse. Sei es Gründünger oder grüne Masse (Rasen, Kompost, Küchenreste).

Bodenhygiene
Wenn man eine Allergie hat, sollte man bestimmte Nahrungsmittel meiden - oder? 
Wenn die Möhren Maden haben, sollte man beim Anbau den Platz im Garten meiden, an dem sie zuletzt standen - denn der Boden dort ist mit Möhrenfliegeneiern belastet, was wiederum zu noch mehr Befall mit Möhrenfliege führt. Das kann richtig lästig werden.
Wie kann man sich aber bei Mischkultur merken, wo überall Möhren und die Verwandten der Möhren standen? 
Ich kann das beim besten Willen nicht. Ich brauche da also ein wenig Systematik.

Mein Erfolgsrezept ist die gute alte 4-Felder-Wirtschaft kombiniert mit einer Prise Mischkultur.
Sie kombiniert Bodenhygiene und Bodenverbesserung.


Fruchtfolge in der 4-Felder-Wirtschaft:

Es gibt Gemüsefamilien mit kurzen Anbaupausen (also die Pause bis sich der Boden erholt und Schädlinge weg sind) und solche mit langen Anbaupausen.

Kohlgewächse, Doldenblütler (Möhren z.B.) und Schmetterlingsblüter (Bohnen) sind 3 Familien mit langen Anbaupausen.

Gemüse, die zu diesen 3 Familien gehören, sollten nur alle 3-4 Jahr wieder im selben Beet stehen.

Wenn Sie also Möhren auf das Beet säen möchten, dann sollte die letzten 3-4 Jahre weder Petersilie, noch Sellerie, Fenchel oder ein anderer Vertreter der Familie der Doldenblütler darauf gewachsen sein (auch keine Blumen oder Kräuter aus dieser Familie wie Koriander, Liebstöckel).


Deshalb durchwandern diese drei Familien im Laufe von 4 Jahren jeweils den ganzen Gemüsegarten mit 4 Beeten. 

Warum 4 Beete? Weil 1 Beet Erholung hat und mit Gründünger, Blumen etc. bepflanzt wird. 


4 Beete - 3 davon mit einem der 3 Gemüsefamilien - 1 Beet jeweils mit Gründüngung oder Tomaten oder Rote Bete oder Blumen.

Familie Möhrengewächse (Doldenblütler) wandert also von dem diesjährigen Beet 1 im nächsten Jahr auf Beet 2, dann auf Beet 3 und zuletzt auf Beet 4. Dann erst wieder auf Beet 1. 

Oder anders ausgerückt - im ersten Jahr steht auf Beet 1 also z.B. Kohlgewächse, im nächsten Jahr kommt auf dieses Beet 1  Möhren, im 3. Jahr Schmetterlingsblüher (Bohnen, Erbsen) und dann im 4. Jahr Gründünger. Dann wieder von vorne beginnen.

Wie gesagt, eins der Beete hat dadurch auch immer Pause und darf sich erholen. 
Das ist zudem gut für Nützlinge und sieht hübsch aus, wenn Phacelia, Tagetes oder Ringelblumen zwischen dem Gemüse hervor leuchten.

! Durch den Fruchtwechsel nach Familie kann man verhindern, daß arttypische Krankheiten und Schädlinge sich allzusehr vermehren oder Bodenmüdigkeit auftritt.


Die Möhrenfliege bzw. ihre Eier z.B. überwintert in der Erde und freut sich schon darauf, im nächsten Frühjahr wieder an den Möhren zu mümmeln - aber ätsch, die stehen da nicht mehr, sondern zu weit weg im nächsten Beet. 

So leicht will ich es meinen Mitspielern ja nun nicht machen.


Folgende Familien kann man dann auch mal dazwischen mischen:
 ziemlich unkompliziertere Familien mit 2 Jahren Anbaupause:
Korbblütler (Salate)

sehr unkomplizierte Familien mit nur 1 Jahr Anbaupause:
Liliengewächse (Lauch), Nachtschattengewächse (Tomaten), Kürbisgewächse, Süßgräser (Mais) und Gänsefußgewächse (Rote Bete).
Diese kann man bereits nach 1 Jahr Pause wieder auf das Beet pflanzen. 
Sie sind also gut geeignet als Beipflanzung zu den 3 großen, "komplizierten Pflanzenfamilien" von oben.

Als Beipflanzung (Vor- oder Nachkultur) kombiniere ich dann die jeweilige Hauptfamilie z.B. Möhren mit Salaten oder Kürbis / Zucchini oder Rote Bete oder Tomaten aus den unkomplizierten Familien mit nur 1 Jahr Anbaupause. 




Beispiel: unser Hochbeet mit Hauptkultur Möhren und Möhrenschutznetz - dazu Salat, ein paar Frühlingszwiebeln und Zucchini.
Gut in der Fruchtfolge, geschützt durch das Netz und mit schnellwachsenden Partnern als Zwischenfrucht.

Das Netz hilft übrigens auch sehr gut gegen Katzen, die ja zu gern im frisch bepflanzen Beet Ihren Katzenkot hinterlassen ...



Saatkisten und Aussaaterde stehen schon bereit ... 
Wie ist es bei Euch? 
Seid Ihr schon startbereit und lechzt wie ich nach Frühling?

Herzliche Grüße 
Renate 
aus dem Geniesser-Garten


Mehr über meine Arbeit als Gartenarchitektin findet Ihr hier auf meiner website:
www.renate-waas.de





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Kommentare:

Elke Schwarzer hat gesagt…

Hallo Renate,
das glaube ich, dass die Mischkultur einiges an Gehirnschmalz erfordert. Ohne Zeichnung könnte ich mir auch nicht merken, wer wann wohin kommt.
Ich habe schon Chilis gesät, nur keimen wollen sie nicht...
VG
Elke

Ein Garten in der Steiermark hat gesagt…

Danke für den interessanten Beitrag. Wir wollen nächstes Jahr auch Gemüsebeete anlegen. Ich hab Seinen Beitrag daher mit großem Interesse gelesen. LG

Ute hat gesagt…

Hallo Renate, ich übe mich auch schon einige Jahre an der Mischkultur. Es klappt mal mehr, mal weniger;) Geholfen hat mir damals das Buch "Karotte liebt Tomate" von Hans Wagner.
Ausgesät habe ich noch nichts, steh aber auch schon mit scharrenden Fingern in den Startlöchern. Dieses Jahr habe ich mir vorgenommen mehr Gemüsenetze einzusetzen um z.B. den Kohlweißling vom Grünkohl abzuhalten. Bisher störte mich immer die Optik der eingenetzten Beete, aber Grünkohl möchte ich auch wieder mal essen.
Planende Grüße
Ute

Sara von Buelsdorf hat gesagt…

Ohja, die 4-Felder-Wirtschaft kenne ich auch noch sehr gut. Unser jetziger Garten ist viel zu klein dafür und soll ja auch hauptsächlich der Erholung dienen, daher mache ich mir keine großartigen Gedanken mehr um dieses Thema. Aber was die Bodenbedeckung betrifft, das haben wir auch im derzeitigen Garten eingeführt.

Die Sache mit den Möhren ist wirklich lästig, da habe ich neulich bei Karen von diesen Netzen gelesen ... Dafür wäre unser Garten einfach zu klein. Und es würde nicht schön aussehen. Außer, mein Mann würde dann doch nochmal ein Hochbeet bauen ... doch selbst dafür müßte ich überlegen, wohin damit ...

Eigentlich soll man auch Rosen nicht mehr auf Plätze pflanzen, wo
Rosen standen, aber realisiere das mal im kleinen Garten! ;-)

Vom Prinzip her aber ganz prima und haben wir in früheren Zeiten auch so gehandhabt, wenn auch nicht ganz konsequent, da ich immer 3 kleine Kinder im "Handgepäck" hatte, dazu 2 kranke Omas und Opas .... und alles auch noch ohne Führerschein damals ... ;-)

Man müßte die Bauern mehr und mehr instruieren, sich an diese alten Regeln zu erinnern, aber bestenfalls wechseln sie ein einziges Mal die angebaute Art, im Folgejahr dann wieder der Raps ... und mit Gift sind sie auch nach wie vor großzügig dabei ... manchmal wünschte ich mich in die Stadt, da wird man weniger mit solchen Giften kontaminiert.

Von mir aus darf der Frühling sich gerne zeitig einstellen. :-) Wie im letzten Jahr, nur nicht gleich so heiß, denn dadurch stockte das Wachstum früh. Im Haus ziehe ich kaum etwas vor, das gedeiht bei unserem Raumklima nicht. Oder ich vergesse das Bewässern, wenn ich lange unterwegs bin. Somit muß ich alles gleich draußen in den Garten aussäen.

Liebe Grüße
Sara

bergblumengarten hat gesagt…

Inzwischen gehts mir auch so....ich hab jetzt genug Schnee gehabt und nun kann es von mir aus möglichst bald Frühling werden..
Ich hab so einige Aussaatplände, die ich jetzt noch nicht verwirklichen kann.
Bis jetzt habe ich mich hier auf Tomaten, Paprika und Erdbeeren beschränkt, aber nächstes Saison soll unbedingt mehr Gemüse wachsen und da finde ich die 4-Felder-Methode naheliegend. Die Möhren könnten allerdings ein Problem werden, da wir Pferdemist eingegraben haben....vielleicht gehts ja mit Netz?
LG Sigrun

Karen Heyer hat gesagt…

Hallo Renate,
glücklicherweise haben wir gleich 4 Hochbeete und ich versuche natürlich, den 4 Jahresrhythmus einzuhalten. Manchmal habe ich bis zum Frühjahr vergessen, was wo gestanden hat, dann helfen mir Fotos weiter. Bin meistens zu faul zum schriftlichen Festhalten. Da ist es ja wieder, das super Gemüseschutznetz!
Liebe Grüße
Karen

Claudia hat gesagt…

Oh jaaa... Ich kratze schon. Nicht nur in den Startlöchern sondern auch in den Beeten. Bei uns in Köln ist es schon warm genug. Jetzt geht es so dermaßen Schlag auf Schlag, dass ich kaum nachkomme. Die ersten Aussaaten (Paprika und Chilis)werde ich heute pickieren.
Viele Grüße
Claudia